Kölsch: Das Ale, das denkt, es sei ein Lager
Kölsch: Der hybride Held
Kölsch ist eine geschützte geografische Angabe (g.g.A.) in Europa. Technisch gesehen darfst du nur “Kölsch” brauen, wenn du dich innerhalb von 50 km um Köln befindest. Wenn du es woanders braust, ist es ein “Ale nach Kölsch-Art”.
Aber wie auch immer du es nennst, es ist brillant. Es verwendet obergärige Ale-Hefe (warm), wird aber bei kalten Temperaturen konditioniert (gelagert).
- Ergebnis: Ein Bier mit der subtilen fruchtigen Komplexität eines Ales, aber der brillanten Klarheit und dem knackigen Abgang eines Lagers.
Die Richtlinien (BJCP 5B)
- Stammwürze (OG): 1.044 – 1.050
- Endvergärungsgrad (FG): 1.007 – 1.011 (Sehr vergoren)
- ABV: 4,4 % – 5,2 %
- IBU: 18 – 30
- Farbe: Sehr helles Gold.
Die Zutaten
Malz
Kölsch ist wohl das hellste Bier in Deutschland.
- Pilsner Malz: 90–95 %. Verwende eine hochwertige deutsche Sorte.
- Weizenmalz: 5–10 %. Fügt einen Hauch von Brotigkeit hinzu und hilft bei der Schaumstabilität.
Hopfen
Subtile deutsche Edelhopfen.
- Sorten: Hallertauer, Tettnanger, Spalt.
- Verwendung: Meistens eine 60-minütige Bittergabe. Geschmackshopfen sollte kaum wahrnehmbar sein.
Die Hefe: Die Geheimwaffe
Du kannst kein Kölsch mit US-05 oder einem Lagerstamm brauen. Du brauchst einen spezifischen Kölsch-Stamm.
- Wyeast 2565 (Kölsch): Säuerlich, herb, stark flockend (schließlich).
- WLP029 (German Ale/Kölsch): Knackiger, näher am Lagerprofil.
- K-97 (Trockenhefe): Eine fantastische trockene Option, die exzellenten Schaum produziert.
Diese Stämme produzieren eine sehr spezifische, zarte Fruchtigkeit – oft als “Weißwein” oder “Birne” beschrieben –, die den Stil definiert.
Der Prozess: Hybride Gärung
Das ist es, was es zu einem Kölsch macht.
- Maischen: Single Infusion bei 65 °C (149 °F). Wir wollen hohe Vergärbarkeit für einen trockenen Abgang.
- Kochen: 90 Minuten (Pilsner Malz = DMS-Risiko).
- Kühl vergären: Vergäre am ganz unteren Ende des Ale-Bereichs: 14 °C – 17 °C.
- Dies unterdrückt schwere Ester und hinterlässt nur diesen Hauch von Frucht.
- Lagern: Sobald die Gärung beendet ist, kühle es auf 0 °C (Cold Crash) und halte es für 3–4 Wochen.
- Diese “Lager”-Phase lässt Hefe und Proteine ausfallen und erzeugt das brillante Funkeln, für das Kölsch berühmt ist.
Die Stange: Servierritual
In Köln wird Kölsch in einer Stange serviert, einem hohen, dünnen, zylindrischen Glas, das nur 200 ml fasst.
- Warum so klein? Damit du es trinkst, solange es noch kalt und kohlensäurehaltig ist.
- Der Köbes: Der Kellner (Köbes) trägt ein spezielles Tablett (Kranz) mit Löchern für die Gläser. Er wird wortlos deine leere Stange gegen eine volle austauschen und einen Strich auf deinen Bierdeckel machen.
- Stopp: Um den Bierfluss zu stoppen, musst du deinen Bierdeckel auf dein Glas legen.
Wasserchemie
Kölner Wasser ist ziemlich weich, hat aber etwas Mineralgehalt.
- Calcium: 50 ppm.
- Sulfat/Chlorid: Ausgewogen oder leicht Sulfat-lastig, um die Knackigkeit zu verbessern.
Fehlersuche
- Trüb? Kölsch-Hefe ist “staubig” (geringe Flockung). Du musst lange genug Cold Crashen und Lagern oder Klärmittel (Gelatine/Biofine) verwenden. Ein trübes Kölsch ist technisch gesehen ein “Wiess” (ein älterer, unfiltrierter Stil).
- Zu fruchtig? Du hast zu warm vergoren. Halte es unter 17 °C.
- Schwefel? Häufig während der Gärung. Er verfliegt während der Lagerphase.
Zusammenfassendes Rezept: “Domplatte”
- Getreide: 4,1 kg Deutsches Pilsner, 0,45 kg Weizenmalz.
- Maischen: 65 °C für 60 Min.
- Hopfen: Spalt auf 25 IBU bei 60 Min.
- Hefe: Wyeast 2565.
- Plan: Vergären bei 15,5 °C für 10 Tage. Cold Crash. Lagern bei 0,5 °C für 21 Tage.
Kölsch ist das perfekte “Rasenmäher-Bier” für den Bier-Snob. Es ist erfrischend genug für einen heißen Tag, aber komplex genug, um dein Interesse zu wahren.