Belgian Pale Ale Brauanleitung: Der alltägliche Klassiker
Belgian Pale Ale: Die Ikone Antwerpens
Wenn Amerikaner an “Pale Ale” denken, denken sie an Hopfen (Sierra Nevada). Wenn Belgier – speziell die aus Antwerpen – an Pale Ale denken, denken sie an Malz. Das Belgian Pale Ale (BPA) ist ein Stil, der durch Ausgewogenheit, Trinkbarkeit und einen ausgeprägten gerösteten Malzcharakter definiert wird. Es ist das “Session-Bier” Belgiens, konzipiert, um in Mengen im lokalen Café genossen zu werden.
Das bekannteste Beispiel ist De Koninck, oft einfach als “Bolleke” (kleiner Ball) bestellt, in Anspielung auf sein kugelförmiges Glas.
1. Stil-Profil
- Farbe: Bernstein bis Kupfer (8–14 SRM).
- ABV: Session-tauglich (4,8 % – 5,5 %).
- Geschmack: Geröstetes Brot, Kekse, Karamell, ausgeglichen durch eine weiche Birnen-/Orangenfruchtigkeit der Hefe.
- Bitterkeit: Mäßig (20–30 IBU). Spürbar, aber nicht aggressiv.
2. Die Zutaten
Das Malz: Alles dreht sich um den Keks
Wenn du ein authentisches BPA brauen willst, brauchst du Biscuit-Malz. Dieses belgische Spezialmalz liefert den charakteristischen Geschmack nach “gebackener Brotkruste”, der den Stil definiert.
- Basis: Pale Ale Malz oder Pilsner Malz (50/50-Aufteilung ist üblich).
- Spezialmalze:
- Biscuit-Malz: 5–10 %. Unerlässlich.
- Aromamalz: 3–5 %. Für intensives Malzaroma.
- Crystal/Caramunich: 5 %. Für Farbe und Karamellsüße.
Die Hefe: Der Antwerpener Stamm
Während du einen Standard-Abteistamm verwenden kannst, kommt der wahre BPA-Geschmack von der Antwerp Ale Yeast (WLP515 / Wyeast 3655 / Lallemand De Koninck).
- Charakter: Sie produziert deutliche Ester von Birne und rotem Apfel, ist aber viel sauberer und weniger phenolisch (würzig) als Trappistenstämme.
- Flockung: Sie ist stark flockend und hinterlässt eine brillante Klarheit.
Hopfen
Europäische Edelhopfen sind der Standard. Saazer, Tettnanger oder East Kent Goldings. Der Hopfencharakter sollte blumig und kräuterig sein und das Malz unterstützen, anstatt es zu bekämpfen.
3. Wasserchemie
Im Gegensatz zum weichen Wasser von Pilsen ist das Antwerpener Wasser mäßig hart.
- Kalzium: 100 ppm.
- Sulfate: Höher als bei anderen belgischen Stilen (100 ppm), um den knackigen Abgang und die Hopfenbitterkeit zu betonen und das süße Malz auszugleichen.
4. Rezept: “Antwerpener Nachmittag” BPA
- Sudgröße: 19 Liter (5 Gallonen)
- STW (OG): 1.050
- FG: 1.012
- ABV: 5,0 %
- IBU: 28
- SRM: 12
Schüttung
- 3,2 kg Belgisches Pale Ale Malz (Dingemans)
- 0,9 kg Münchner Malz
- 0,23 kg Biscuit-Malz (Dingemans)
- 0,15 kg CaraMunich II
- 0,10 kg Special B (Nur ein Hauch für Farbe/Rosine)
Hopfen
- 30 g Saazer (3,5 % AA) @ 60 Min.
- 15 g Saazer (3,5 % AA) @ 15 Min.
- 15 g East Kent Goldings (5,0 % AA) @ 5 Min.
Hefe
- WLP515 Antwerp Ale Yeast (oder Wyeast 3655)
- Ersatz: WLP002 (English Ale) kann zur Not funktionieren, wenn sie warm vergoren wird, da dieser Stil englische Wurzeln hat, aber der Antwerpener Stamm ist überlegen.
Anleitung
- Maischen: Einstufige Infusion bei 67 °C (153 °F). Eine etwas höhere Maischtemperatur bewahrt etwas Körper und Süße, was für dieses Bier mit niedrigerer Stammwürze angemessen ist.
- Kochen: 60 Minuten.
- Gären: Anstellen bei 19 °C (66 °F). Konstant halten. Dieser Stamm benötigt nicht den massiven Temperaturanstieg eines Saison.
- Reifung: 2 Wochen kalt reifen lassen, damit die Hefe brillant ausfällt.
5. Servieren und Food Pairing
- Glasware: Das “Bolleke” (Kelch).
- Temperatur: Kellertemperatur (10 °C–12 °C).
- Essen:
- Kneipensnacks: Alter Gouda-Würfel mit Selleriesalz (ein belgischer Klassiker).
- Hauptgang: Brathähnchen, Schweinekoteletts oder ein einfacher Burger.
- Pizza: Das geröstete Malz passt perfekt zu Pizzakruste.
Fazit
Das Belgian Pale Ale ist der unbesungene Held des belgischen Brauens. Ihm fehlt der Hype der Lambics oder die Stärke der Quads, aber es ist das Bier, das die Belgier tatsächlich jeden Tag trinken. Es ist komplex genug zum Analysieren, aber einfach genug, um es einfach zu genießen.